Was ist Design Thinking?

Das Design Thinking ist ein umfassender kundenorientierter Innovationsansatz, der die Generierung und Entwicklung von kreativen Geschäftsideen bzw. ganzen Geschäftsmodellen zum Ziel hat. Im Wesentlichen versucht das Design Thinking, die Vorgehensweise und Methoden von Designern auf Geschäftsprozesse zu projizieren. Der Ansatz ist letztlich für alle Arten von Geschäftsideen – ob sie einen Produkt- oder auch Dienstleistungscharakter haben – anwendbar. Die erste Maus für den Macintosh-Computer ist nach einem ähnlichen Ansatz entstanden oder die erste Zahnbürste mit einem breiteren ergonomischen Schaft. Die Merkmale von Design Thinking lassen sich wie folgt zusammenfassen: Design Thinking …

  • ist ein integrativer Ansatz: Das heißt, für die Problemlösung wird der Prozess dieser Problemlösung zusammen mit seinen Rahmenbedingungen in den Blick genommen. Die Problemanalyse und Lösungsentwicklung wird systematisch und ganzheitlich in Form eines Prozesses betrachtet (s. u.). Die für die Problemanalyse und Lösungsentwicklung notwendigen diversen Kompetenzträger (s. u.), die Menschen also, werden einbezogen und treten miteinander in Austausch. Die Arbeitsumgebung für diesen Prozess wird kreativitätsfördernd ausgestaltet. Man spricht hier auch von den drei Ps des Design Thinkings (vgl. Grichnik et al. 2017), S. 124f.) People (der Mensch), Process (der Problemlösungsprozess) und Place (die Räumlichkeiten) müssen für eine erfolgreiche Ideenentwicklung berücksichtigt werden.
  • setzt auf frühe Kundenorientierung: Design Thinking startet beim Menschen und nicht bei einer Technologie oder einem Business-Ziel. Der Kunde soll letztlich die „Go-/Stop-“Entscheidungen im Prozess maßgeblich beeinflussen.
  • betont Empathie: Zentrales Element ist es, sich in die Lage des Kunden/Nutzers hineinzuversetzen und ihn detailliert zu beobachten.
  • strebt an, Ideen frühzeitig be- und er-„greifbar/anschaulich“ zu machen: Möglichst schnell sind Prototypen zu erstellen – dies gilt auch für die immateriellen Dienstleistungen;
  • besteht aus häufigen Iterationsschleifen zwischen den Entwicklungsphasen. Die Rückkehr zu einer vorherigen Phase ist kein Fehler, sondern zeigt den Lernerfolg bei diesem Prozess.
  • auf die Diversitätder Teilnehmer achten. Design Thinking verbindet interdisziplinäre Breite und fachliche Tiefe miteinander: Auf das Wissen, die Erfahrung und die Sichtweisen eines Teams von Ingenieuren, Naturwissenschaftlern, Geistes-, Sozial und Wirtschaftswissenschaftler etc. wird gesetzt, die die Fähigkeit zur multidisziplinären Zusammenarbeit haben. Des Weiteren ist möglichst auf Unterschiede im Alter, Geschlecht, Zugehörigkeit zum Unternehmen (langjährig/erst kurz in der Firma), Erfahrung mit dem Thema (intensiv, wenig, gar nicht) und/oder beim Persönlichkeitstyp (introvertiert, extrovertiert etc.) zu achten.
  • schafft teamgerechte, kreative Arbeitsräume: „Ich-“ und „Wir-Räume“ sind für die Einzel-, Gruppen-Arbeiten und das Zusammenführen im Plenum flexibel und inspirierend auszurüsten (weitere Empfehlungen zu kreativen Arbeitsräume siehe hier).
  • kombiniert analytische Phasen (Informationen sammeln, ordnen, auswerten) und synthetische Phasen (Lösungen entwickeln, erproben, verbessern) miteinander. Im ersten Teil wird detailliert das Problem analysiert (sog. Problem-Raum), bei der es um das Was? und Warum? geht (was ist das Problem? warum ist es ein Problem?). Erst im zweiten Teil werden konkrete Lösungen entwickelt und getestet (sog. Lösungs-Raum: Hier wird nach dem Wie (etwas gelöst werden kann)? gefragt. Außerdem kann man differenzieren zwischen divergenten Phasen, die durch das Sammeln von Informationen bzw. das Generieren von Ideen zu einer Ausweitung der Perspektive führen, und konvergenten Phasen, die zu einer Fokussierung des Blickfeldes durch das Treffen von Entscheidungen zwischen Alternativen führen. Diese divergenten und konvergenten Phasen wechseln sich ab, sodass der Design-Thinking-Prozess bildhaft gesprochen (s. nachfolgende Abbildung) eingerahmt wird von einem doppelten Diamanten (Design Council UK (2005)). Die nachfolgende Vorgehensweise zeigt diesen Prozess.
Design-Thinking-Prozess
Design-Thinking-Prozess

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