Wie läuft der Design-Thinking-Prozess ab?

Der Design-Thinking-Prozess (was man unter Design Thinking versteht siehe hier) besteht in Anlehnung an Plattner et al. (2009) aus sechs Prozess-Schritten mit Iterationsschleifen: Verstehen, Beobachten, Standpunkt definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und Testen. Die Prozessschritte werden nachfolgend kurz beschrieben (s. nachfolgende Abbildung ). Auch wenn die folgende Darstellung sequenziell dargestellt ist, so ist der Ablauf stark iterativ, d. h., es gibt in jeder Phase zahlreiche Rückkoppelungen zu den vorherigen Phasen. Die einzelnen Prozessschritte sollten unter Beachtung der Regeln des Design Thinkings zügig durchlaufen werden, um im Sinne des Prinzips „Fail early and often“ schnell durch Iterationsschleifen zu lernen bzw. notfalls den Prozess komplett abbrechen zu können. Hilfreich ist es dabei, für die einzelnen Phasen konkrete Zeitbudgets festzulegen (im agilen Projektmanagement spricht man hier vom sog. Timeboxing).

Vorgehensweise beim Design-Thinking
Design-Thinking-Prozess
  1.  Phase „Understand“ (Verstehen):

In der ersten Phase geht es zunächst darum, ein Verständnis für die Herausforderung/das Problem/das Bedürfnis oder die Anforderung zu entwickeln (Problemverständnis). Dabei muss geklärt werden, wer und insbesondere welche fachliche Perspektive im Prozess integriert werden muss (Prozessorganisation). Schließlich ist zu klären, wie die Fragestellung am besten zu formulieren ist, damit das Kundenbedürfnis/-problem konkret definiert wird. 

  1. Phase „Observe“ (Beobachten):

In dieser Phase erfolgen detaillierte Recherchen und Beobachtungen vor Ort über das Kundenbedürfnis/-problem. Hierfür können zahlreiche Methoden eingesetzt werden wie Interviews, schriftliche Befragungen, Beobachtungen mit Aufzeichnungen durch Fotos oder sogar Videos. Als Ergebnisse werden die Rahmenbedingungen geklärt, die Zielgruppe exakt definiert und ein umfassendes Verständnis über den Kunden und seine Bedürfnisse und Verhalten erlangt.

  1. Phase „Point-of-View“ (Standpunkt definieren):

Nach den Beobachtungen sollten als Nächstes die Erkenntnisse auf einen einzelnen prototypischen Nutzer kondensiert werden, dessen Problem/Bedürfnis in einer klar definierten Fragestellung zusammenzufassen ist.

  1. Phase „Ideate“ (Ideen finden):

Erst in dieser Phase geht es um die eigentliche Ideenfindung. Hier können u. a. die in Kapitel 3.1 genannten Kreativitätstechniken verwendet werden. Davon strikt getrennt, können im Anschluss die Ideen kundenorientiert analysiert werden, um Schwachstellen zu identifizieren.

  1. Phase „Prototype“ (Prototypen entwickeln):

In dieser sehr wichtigen Phase sollte man die Ideen möglichst schnell visualisieren, greifbar machen, skizzieren, entwerfen, modellieren/simulieren etc. In Anlehnung an den Technik-Bereich kann man hier von „Rapid Prototyping“ sprechen, wobei die Prototypenentwicklung dezidiert nicht nur bei Produkten, sondern auch für Dienstleistungen gilt. Hierfür steht eine Vielzahl von Methoden zur Prototypenentwicklung zur Verfügung.

  1. Phase „Test“ (Testen):

In dieser abschließenden Phase sollen die Ideen durch weitere Experimente und Kundenfeedback weiter ausgearbeitet und getestet werden. Darüber hinaus sind wesentliche Entwicklungs-, Produktions- und Marktfragen zu klären.

In dem hier vorgestellten Prozessablauf würde sich erst danach die eigentliche Implementierungsphase mit der Entwicklung der Idee zu einem marktreifen Produkt/Dienstleistung anschließen.

Insgesamt ist das Design Thinking ein sehr umfassender nutzerorientierter Ansatz, der in den einzelnen Phasen die bereits o. g. Methoden (Persona, Empathy Map, Kreativitätstechniken etc.) und weitere Moderationstechniken systematisch in einem Prozess mit zahlreichen Iterationsschleifen anwendet.

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